erstellt am: 17.06.2013 | von: Wolfgang Schaaf | Aktuelle Themen, Ethik, Kammerthemen, Krankenhaus, Praxis

Fehlerstatistik der Bundesärztekammer = eine Eisbergbetrachtung?

Private InformationDer Bericht der Bundesärztekammer zu Fehlern bei medizinischen Behandlungen liegt vor. „Ärzte machen Fehler, wir sind aber keine Pfuscher“. Kollege Crusius spricht uns damit aus dem Herzen. Dennoch bietet dieser Bericht sicher schon bald Anlass zu (wahrscheinlich berechtigter) Kritik:

Als Datenbasis wird die Anzahl der Meldungen bei den Schlichtungsstellen im Vergleich zur Gesamtheit der behandelten Patienten herangezogen. Jeder von uns, der in einem risikobehafteten medizinischen Umfeld arbeitet weiß, dass nur ein kleiner Teil der Beschwerden oder Regressansprüche dort landet. Die derzeit wohl größte Gruppe von Fehlerverdachtsmeldungen enden als Anfragen bei den medizinischen Diensten der Krankenkassen, bei Versicherungen und in zunehmendem Maße jetzt auch, wohl  als direkte Folge des Patienten Rechte Gesetzes, in strafrechtlichen Untersuchungsverfahren.

Das ändert nichts an der richtigen Aussage von Kollegen Crusius, dass Fehler im Promillebereich liegen, könnte uns aber den Vorwurf eintragen, die Kammern seien vielleicht an den wirklichen Zahlen gar nicht interessiert. Gibt es darüber wirklich keine Statistiken? Wer Risikomanagement ernst nimmt, muss sich um valide Daten bemühen, die jedem Zweifel standhalten.

Im Moment betrachten wir in Form unserer Schlichtungsstellen- Statistik die Spitze eines Eisberges. Crusius schließt daraus auf seine wahrscheinlich wirkliche Größe und gibt sich damit zufrieden. Das wird nicht ausreichen, um kritische Gruppen zu überzeugen. Wir müssen uns in Zukunft um besseres Zahlenmaterial bemühen. Das sind wir unseren Patienten, aber auch uns selber schuldig.

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